Robert “Robby“ Rautenbach,
23.06.1931 – 19.09.2000

“Membrantrennverfahren sind nur eine un-
vollständige Kopie natürlicher Membranen,
die viel mehr können als synthetisch herge-
stellte Membranen“, sagte Robert Rautenbach
in einer seiner letzten Vorlesungen.

Robert Rautenbach war ein inspirierender Lehrer, ein sorgfältig arbeitender
Wissenschaftler, ein großer Gelehrter mit immerwährendem Wissensdurst und
ein Mensch mit festen Glauben an die kreativen Fähigkeiten jedes einzelnen.
Robert Rautenbach starb am 19. September 2000 nach langer, schwerer
Krankheit.
Es ist eine Ehre und auch eine Freude für uns, an einen Menschen zu er-
innern, bei dem Wissen und Erfahrung mit visionärem Denken und ethischen
Vorstellungen vereint waren. Seine uneigennützige Hilfsbereitschaft als Aus-
druck seines Verantwortungsbewusstseins und seiner tiefen Menschlichkeit
brachten ihm hohe Anerkennung und Wertschätzung.
Die Bedeutung von Wasser für aufstrebende Gesellschaften erkannte Robert
Rautenbach schon zu einem frühen Zeitpunkt. Als Verfahrensingenieur nahm
er die riesigen Wasservorräte in den Meeren als Herausforderung an, und sie
wurden Teil seiner Motivation, in die Forschung zur Meerwasserentsalzung
einzusteigen. Er beschäftigte sich intensiv mit den Technologien, die es insbe-
sondere ariden Ländern ermöglichen, Trinkwasser aus Meerwasser zu ge-
winnen. Dabei lag sein Schwerpunkt nicht alleine bei den thermischen Ver-
fahren, sprich der Verdampfung, sondern auch bei den mechanischen Ver-
fahren, sprich der Umkehrosmose. Für ihn war klar, dass die Auswahl einer
passenden Technologie von ökologischen Faktoren bestimmt wird und nicht
von der Vorliebe für die eine oder die andere Technik.
Robert Rautenbach akzeptierte nie die Verschwendung von sauberem Wasser
auch in niederschlagsreichen Gegenden. Sein Ansatz in Bezug auf eine öko-
nomischen Produktion von Industriegütern ging nie auf Kosten der Natur.
Seiner Meinung nach sollte zwischen der Abwasserseite und jedem natür-
lichen Wasservorkommen eine Membrananlage als Barriere für Schmutz-
und Schadstoffe installiert werden. Während seines gesamten Forscherle-
bens auf dem Gebiet der Membrantrennverfahren und des Umweltschutzes
propagierte er stets das Konzept der „abwasserfreien Fabrik“.
Wie kein anderer konnte Robert Rautenbach komplizierte, rückgekoppelte
Prozesse analysieren und sie selbst dem Laien klar verständlich erklären.
Obwohl er komplexe Strukturen erfassen und verstehen konnte, wurden sie
nie zum Selbstzweck; sein Ziel war die Einfachheit. In diesem Zusammenhang
zitierte er gerne Saint-Exupéry: „Alles menschliche Tun und Denken geht den
Weg vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen.“
Robert Rautenbach war ein loyaler Mensch und schätzte selbst Loyalität sehr
hoch. Er war pragmatisch, ehrlich und ernsthaft. Und ein harter Arbeiter. Er
liebte die Arbeit so sehr, dass sein Motto lautete: „The worst first“ – „Das
Schwierigste zuerst.“ Neben seiner Arbeit war die Familie der wesentliche
Teil seines Lebens; wenn er nicht gerade verfahrenstechnische Aufgaben-
stellungen löste, arbeitete er an Entwürfen und Skizzen für sein Haus. Er
entwarf Möbel, arbeitete im Garten, er liebte das Theater und kein Besuch
in Berlin verging, ohne dass er eine Vorstellung in einem seiner Lieblingstheater
besuchte.
Aufgrund seiner großen Erfahrung war er ein gefragter Berater für die Indus-
trie. Viele Jahre hindurch war er als Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten
tätig. Robert Rautenbach unterstützte die International Desalination Asso-
ciation (IDA) wo immer und wie immer er konnte. Dabei schätzte er jedoch
nicht das Rampenlicht und öffentliche Reden, vielmehr bevorzugte er es,
wenn seine Arbeiten in die Praxis umgesetzt wurden.
Sein Tod war ein großer Schock für alle, die ihn kannten, da nur wenige von
der Schwere seiner Krankheit wussten. Es war schwer vorstellbar, dass je-
mand wie Robby, der sein Leben lang gesund gelebt hatte, morgens in der
Frühe aufstand, vor dem Frühstück eine Runde schwamm und die lange
Strecke zwischen seinem Wohnhaus und seinen Arbeitsplatz mit dem Fahr-
rad zurücklegte, so plötzlich aus dem Leben scheiden musste. Das Bild eines
lebensfrohen, lachenden, sportlich gekleideten Menschen auf dem Rad, wird
immer in unserer Erinnerung bleiben.
Wir denken oft an ihn, wünschen uns seinen Ratschlag, seine menschliche
Wärme – und werden nicht nachlassen, seine Ideen in unseren täglichen
Aufgaben weiterzuverfolgen.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Melin
Institut für Verfahrenstechnik der RWTH Aachen
Dr.-Ing. Süleyman Yüce
Dr.-Ing. Joachim Gebel

CV Prof. Rautenbach

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